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Rezensionsexemplare für Influencer und Redakteure
Inhaltsangabe zu den autofiktionalen Psychiater-Erzählungen “Hinter verschlossenen Türen” von Drs. Dolf Hage
Zusammenfassung
Zweiundzwanzig Jahre ist er Psychiater. Eine Zahl, die nach Erfahrung klingt. Bei ihm hat sie vor allem eines bewirkt: Er ist vorsichtiger geworden mit Gewissheiten.
In seiner Praxis liegen Akten. Früher waren es „Fälle“. Heute sind es Spuren. Gespräche, die nicht sauber enden. Er hat gelernt, dass Diagnosen ordnen können, aber selten erklären. Und dass das Entscheidende oft dort sitzt, wo Menschen ausweichen, abbrechen, zu früh „mir geht es gut“ sagen.
Der Erzähler ist professionell, aufmerksam, und er zweifelt. „Hilfe“ bedeutet für ihn nicht Reparatur. Hilfe heißt: jemanden ernst nehmen, auch wenn nichts sofort besser wird. Diese Haltung prägt auch die Form des Romans, der nicht von Lösungen erzählt, sondern davon, was sichtbar wird, wenn Menschen versuchen, sich mitzuteilen. Und davon, was dieses Zuhören mit dem Zuhörenden macht.
Mit den Jahren verändert es den Psychiater. Zuerst kaum merklich, dann deutlicher. Die Welt wird lauter: das Summen des Lichts, das Klacken der Heizung. Er merkt sich zu viel. Und er verliert Dinge, die früher selbstverständlich waren: den Faden, den Namen, die Ruhe. Kleine Fehlleistungen häufen sich, als wären sie Zufall. Zu Hause wird er reizbarer, erschöpfter, fremder im eigenen Alltag. Schließlich beginnt er eine eigene Therapie. Keine große Entscheidung. Eher ein Schritt, der längst fällig war.
Der Roman folgt einer „seelischen Zeit“. Die Kapitel sind nicht streng chronologisch, sondern durch innere Zusammenhänge verbunden. Klinische Begriffe tauchen auf, aber sie werden nicht als Erklärungen gefeiert. Sie bleiben Werkzeuge. Die Patientinnen und Patienten sind nie Material. Sie sind Gegenüber.
Eine frühere Patientin kommt zurück. Die Mutter ist gerade gestorben, doch das eigentliche Leiden sind Bilder. Ein Autobahnunfall von vor vielen Jahren, der plötzlich wieder da ist. Schlaf bricht weg, der Alltag wirkt grau, Reizbarkeit schiebt sich zwischen sie und die Welt. „PTBS“ liegt nahe, aber der Erzähler stellt kein Etikett aus. Er bleibt beim präzisen Zuhören. Bei dem Versuch, nicht zu schnell zu wissen.
Ein anderer Patient lebt seit Langem mit Sucht und einer medikamentösen Stabilität. Erst in dieser Stabilität sagt er, beinahe beiläufig: „Ich höre Stimmen.“
Der dramaturgische Bogen verdichtet sich, als die Ordnung, die der Erzähler bei anderen zu halten versucht, bei ihm selbst Risse bekommt. Ein Kollege hört zu, stellt Fragen, testet. Am Ende steht kein lauter Zusammenbruch, sondern eine stille Verschiebung: Der Psychiater ist nicht mehr nur der, der zuhört. Er wird selbst zum Gegenüber.
Das Covermotiv ist ein Werk des Berliner Künstlers Paul Pretzer, der für seine teils surreal anmutenden Motive bekannt ist und die Stimmung des Romans bildlich widerspiegelt. Zudem enthält der Roman zu Beginn jedes Kapitels ein Bild im Bleistiftstil.
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